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Direkt von der Quelle:
Geschichte und Geschichten des Quellenhofes |
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"Erbaut 1764, renoviert 1983" |
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- so hat's die Oma damals schwarz auf weiß
auf die frisch gekalkte Giebelwand des Hofes gepinselt. So ganz
genau weiß man es zwar nicht - aber tatsächlich hat
der Quellenhof heute mindestens 250 Jahre "auf dem Buckel".
Die präzise Jahreszahl haben wir von einem zerbrechlichen
Überbleibsel aus der "Gründerzeit" übernommen:
"Wann Gott will, so ist mein Ziel, darauf ich mich verlassen
will - Anno Domini 1764" steht auf einem alten Teller,
der vor einigen Jahren überraschend beim Eingemachten wieder
aufgetaucht ist. "Den haben wir immer in der Familie weitergegeben.
So lange gibt es auch den Hof schon", schwört die
Oma. "Aber die Webers sind hier ja schon im 16. Jahrhundert
Bauern gewesen - mindestens ..."
Und sie muss es wissen: Unsere Oma, die Altbäuerin Elli
Heinrich, Tochter der letzten Weber-Bäuerin, hat ihr ganzes
Leben auf dem Hof verbracht. 1961 übernahmen sie und ihr
Mann Hans Heinrich die Wirtschaft von ihrem Vater. Rund fünfzehn
Morgen, also etwa 4,5 ha Land in 16 Parzellen, gehörten
zu dem damals noch namenlosen Hof. |
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Landwirtschaft nach Feierabend |
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"Kartoffeln, Äpfel, Eier, Milch, Obst, Gemüse
und Gänse verkaufte der Hof damals", erinnert sich
der Opa, der seinen Kunden noch die Zentnersäcke in die
Keller trug. Und das quasi nach Feierabend, denn "hauptberuflich"
arbeitete er volle Tagesschichten bei dem Oberurseler Transformatorenhersteller
May & Christe. Das Getreide ging damals direkt in die
Mühle und von dort zum Bäcker, wo die Familie für
12 Pfennig je Brot backen ließ. |
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Für den ersten Kunstdünger gab es
Schelte |
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Gewirtschaftet wurde zur Zeit der Altbauern
konventionell - das heißt, auf den Feldern kamen auch
chemische Spritzmittel und Kunstdünger zum Einsatz. Etwa
seit den 50er Jahren hatten diese "Wundermittel" allgemein
Karriere in der Land-wirtschaft gemacht. Auf dem Quellenhof
hielt die Chemie allerdings nur unter Protest Einzug: Als Uropa
Rudolf Matthäus etwa 1960 den ersten - sündhaft teuren
- Sack Kunstdünger durchs Tor trug, schalt ihn Uroma Katharina
lautstark. Auch in der eigenen Küche wollte die kluge Frau
kein gespritztes Obst und Gemüse haben: "Das ess'
ich nicht, da ist Gift drauf". Sonst dachte damals kaum
jemand über die Folgen des landwirtschaftlichen Raubbaus
nach, bis - ja ... |
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Der Leitersturz brach der Chemie das Genick
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... bis zum Sommer 1976. Damals verunglückte Opa Hans
Heinrich bei der Apfelernte - fiel von der Leiter und brach
sich Schlüsselbein und mehrere Rippen, verletzte sich
außerdem einen Rückenwirbel schwer. Von der Obstwiese
direkt für sieben Wochen ins Bad Homburger Krankenhaus.
Mitten in der Erntezeit! Ohne Führerschein war Oma Elli
seinerzeit mit dem Traktor unterwegs. Und der Gerhard, heute
"Jungbauer" von 47 Jahren, damals gerade 18, musste
mit ran. Das klappte gut. Bis der Papa das Spritzen des Getreides
mit "U 46" anordnete, einem hochgiftigen Mittel
gegen Disteln. Da bockte der Bub. "Ich konnte schon damals
nicht glauben, dass von dem, was man an Gift draufschüttete,
nichts in die Pflanzen und anschließend auf den Teller
gelangt", sagt er heute. |
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Zum Bio-Hof führte ein steiniger Weg ... |
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Des Sohnemanns Plänen, den Hof auf biologisch-dynamische
Wirtschaftsweise umzustellen, standen Elli und Hans Heinrich
zunächst eher skeptisch gegenüber. Sie wussten - ohne
Chemie war es mit ihrer Arbeitskraft alleine nicht zu schaffen.
"Wir haben ihm immer gesagt: Wir können dich nur unterstützen",
erinnert sich die Oma. "Das war keine leichte Entscheidung.
Schließlich hat er damals noch als Ingenieur gearbeitet."
Dennoch ließen sie sich auf das "Bio-Experiment"
ein. Schließlich war es ja 20 Jahre vorher auch "ohne"
gegangen. 1984 begann die Familie - unterstützt vom für
Hessen zuständigen Berater des Demeter-Bundes - mit der
Umstellung des Hofes. Keine Sache von heute auf morgen - das
musste besonders der enthusiastische Gerhard lernen, der am
liebsten sofort jegliche Chemie vom Hof verbannt hätte.
"Wir haben uns dann erst mal auf fünf Äcker beschränkt.
Und das war gut so, denn sonst hätten wir die anfänglichen
Fehler gleich auf allen 24 Feldern gemacht", schmunzelt
er.
Leicht war's trotzdem nicht. Durch den Verzicht auf Spritzmittel
hatte sich der Ernteertrag teilweise halbiert - aber die manuelle
Arbeit etwa vervierfacht. Jede verfügbare Hand der Familie
war (und ist auch heute noch) ständig im Einsatz. Lediglich
die Ausgaben für Dünge- und Spritzmittel schlugen
nicht mehr ins Kontor. Aber es gab auch erste Anzeichen, dass
wir auf dem richtigen Weg waren - und dabei nicht alleine standen:
Der kleine, provisorische Hofladen - das ehemalige, umgebaute
Waschhaus - florierte. "Zwar reichte der Erlös anfangs
nur für ein Taschengeld für die Oma, aber die Nachfrage
wuchs stetig. Die Kunden wussten: Mit ihrem Kauf bestellen'
sie die Ware für's nächste Jahr. Sie wollten ihren
Beitrag dazu leisten, dass weniger Gift in die Umwelt kommt." |
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Die Nachbarn machen einen großen Bogen |
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Oma Elli und Opa Hans Heinrich erinnern sich
übrigens noch gut an die ersten Jahre nach der Umstellung,
in der "die verrückten Ökos" von den benachbarten
Landwirten gehänselt wurden. War und ist der Quellenhof
doch bis heute der einzige der sechs Steinbacher Landwirtschaftsbetriebe,
der der Chemie die rote Karte gezeigt hat. "Die haben gesagt:
Ihr seid doch nicht ganz klar, baut weniger an, erntet
weniger!'", erzählt der Opa. Manch einer versuchte
sogar, die Großeltern zu verführen: "Der Gerhard
ist doch nicht da, wir fahren dir mal eben mit der Spritz' drüber!',
wurde schon mal angeboten."
Heute hat man sich an uns gewöhnt. Und wie's ja auch wünschenswert
ist, machen die Kollegen beim Spritzen einen großen Bogen
um unsere Felder. Und soweit es ohne zusätzliche Arbeitskräfte
möglich ist, übernimmt man dort auch mal die eine
oder andere "Bio-Methode". |
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Demeter-Anerkennung |
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Seit 1987 schließlich sind chemische
Spritz- und künstliche Düngemittel auf dem Quellenhof
völlig tabu. Der Hof wurde Mitglied des Demeter-Bunds für
biologisch-dynamische Wirtschaftsweise und wirtschaftet auf
mehr als 17 ha Fläche (6,5 ha Getreide, 1,5 ha Kartoffeln,
ein halber ha Gemüse, Grünland sowie Streuobstwiesen
mit über 300 Bäumen) gemäß den Erkenntnissen
des Anthroposophen Rudolf Steiner). Und - es funktioniert! |
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